Architektur

WERKE der BAUKUNST – das Urheberrecht für Architekten

von 7. November 2019 No Comments

Rechtsanwalt für Medienrecht und Urheberschutz André Stämmler erklärt:

Das Thema Urheberrecht ist aktueller denn je. Dem Urheberecht unterliegen die Ergebnisse vieler freischaffenden und kreativen Berufen. Ist ein Bauwerk auch ein Ergebnis so eines Schaffensprozesses? Die Gestaltung und die Errichtung von Bauwerken können das Erscheinungsbild von ganzen Stadtteilen und einzelnen Straßenzügen verändern und langfristig prägen.

Die Kraft, welche von Bauwerken ausgeht ist sehr beeindruckend. Gebäude sind jedoch sehr individuell, wie die Menschen, die in ihnen Leben und die sie erschaffen haben. Wir gehen der Frage nach, wann unterliegt ein Bauwerk dem Urheberrecht und kann so entsprechend geschützt werden? „Ein Architekt, kann mögliche Ansprüche geltend machen, wenn das Bauwerk als Gesamtkunstwerk eingestuft wurde, so besonders originell, individuell und innovativ ist“, erklärt André Stämmler. „Wir Juristen sprechen von einer persönlichen geistigen Schöpfung. Das bedeutet, dass das angewandte Mindestmaß an individueller Schöpfungshöhe überschritten sein muss, damit von einem Werk gesprochen werden kann.“ so Stämmler. Dieses Mindestmaß dient dabei als Abgrenzung von einer reinen handwerklichen Tätigkeit. André Stämmler spricht an dieser Stelle von der sogenannten „kleinen Münze“. In der Beurteilung, ob ein Bauwerk dem Urheberschutz unterliegt, ist nicht davon abhängig, wie viele verschiedene Farben für die Fassade verwendet werden oder wie hoch der Anteil von Stuckdecken ist.  Es ist immer eine Einzelfallentscheidung. Möglich ist jedoch, dass einzelne Elemente eines Gebäudes, wie künstlerisch gestaltete Bleiglasfenster oder ein verziertes Eingangsportal, geschützt werden können. Der Rest des Gebäudes unterliegt dann nicht dem Urheberschutz und kann vom Eigentümer nachträglich verändert werden.

Ein klassisches Bauhaus oder der Sonnenhof in Jena sind Beispiele die dem Urheberrecht unterliegen könnten. Einfamilienhäuser, welche als Serienmodelle, vervielfältigt werden unterliegen ehr selten dem Urheberrecht.

„Erwirbt ein Käufer ein Haus samt Grund und Boden, hat er noch kein Recht dies in urheberrechtlicher Art und Weise zu verwerten. Liegt ein Urheberschutz auf dem Gebäude ist der Eigentümer stark limitiert und er darf das Bauwerk, ohne Einwilligung des Architekten, nicht umgestalten oder weiterverarbeiten“ sagt der Anwalt für Urheberrecht André Stämmler. Für den Eigentümer stellt dies eine besondere Tragweite dar, denn er darf die Fassade nicht neu streichen oder eine Markise anbringen. Nicht selten geht es soweit, dass der Architekt vorschreibt, welche Pflanzen ein die Außenanlagen eingebracht werden. Bekanntlich ist die Lebensdauer einer Immobilie sehr lang. Im deutschen Urheberrecht endet der Schutz 70 Jahre nach dem Tod des Architekten.

„Das Urheberrecht ist kein Registerrecht, wie z.B. Patent-und Markenrecht, bei dem der Schutz mit Eintragung entsteht“, erklärt Stämmler.  Der Urheberschutz besteht oder besteht nicht und entsteht mit der Schaffung des Werkes. Planungsunterlagen, Entwürfe oder gar erste Skizzen genießen bereits einen Schutz, sofern es das Mindestmaß an geistiger und individueller Schöpfung erreicht hat.

Katrin Hitziggrad

Author Katrin Hitziggrad

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