Kunst

„Alles Fassade“ – Guido Zimmermann und seine Leidenschaft zu Plattenbauten

von 17. Oktober 2019 Dezember 2nd, 2019 No Comments

Eine Kuckucksuhr in Form von Plattenbauten, das haben wir noch nicht gesehen. Wir waren im Mai dieses Jahres zur Vernissage zur Ausstellung „Alles Fassade“ im kreativen Baubüro in Jena-Lobeda eingeladen. Inmitten einer Großwohnsiedlung entfaltet sich ein kulturelles Kleinod:  das kreative Baubüro. Im kreativen Baubüro, ein temporärer Projekt- und Ausstellungsraum, präsentierte die Kunst von Maler und Streetartist Guido Zimmermann.

Der in Frankfurt am Main geborene und lebende Künstler zeichnet sich durch eine Vielseitigkeit in Form und Materialität aus. Seit Portfolio reicht von Malereien, Skulpturen bis hin zu beeindruckenden Murals, welche zahlreiche Fassaden in Großstädten zieren.

Die „Cuckoo Blocks“ sind Zimmermanns Antwort auf die traditionellen Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald. Sie zeigen eine zeitgemäße Sicht auf das urbane Wohnen und auf interessante Architektur. Natürlich beherbergt diese neue Kuckucksuhr einen voll einsatzbereiten Kuckuck, welcher jede volle Stunde nach dem Rechten schaut.

Zwei Aspekte haben bei diesen detailreichen Arbeiten von Guido Zimmermann eine besondere Bedeutung: die Gebäude  erzählen eine oft auffällige Geschichte oder  besitzen einen besonderen architektonischen Wert, beides beeindruckt Zimmermann sehr. Zudem fasziniert  ihn der gesellschaftliche Aspekt, der das Zusammenleben in Großwohnsiedlungen prägt. Das Leben innerhalb der Häuser, im übertragenen Sinne das Leben in den Cuckoo Blocks, zeigt er durch die beleuchteten Fenster der Minitaturplattenbauten. In ihnen sind alltägliche Situationen zu sehen:  ein Fernseher läuft, eine Katze sitzt am Fenster, eine Satelittenschüssel schmückt einen Balkon.

Wie ihre großen Vorbilder haben auch die „Cuckoo Blocks“ Giebelwände, welche im Abbild zum Gestalten eines Minimurals einladen. So verbindet er seine künstlerische Vielfältigkeit mit den verschiedenen Formen um macht auch außerhalb der Straße seine Leidenschaft zur Großflächenkunst sichtbar.

Guido Zimmermann haben wir im Nachgang   seiner Ausstellung in Jena zu einem Interview getroffen.

  1. Wann haben Sie Ihre Leidenschaft zur Kunst entdeckt? 

Guido Zimmermann: „Das kann ich gar nicht genau sagen, denn ich hatte schon immer viele Ideen und habe als Kind schon viel gezeichnet. Das Interesse an diversen Kunstformen hatte ich schon immer. Nach meinem Studium 2003 habe ich zunächst auch erfolgreich als freier Illustrator im kommerziellen Bereich gearbeitet. Ich konnte mich dann aber entscheiden, meinen Fokus zu verändern, weil auch die Arbeit als freier Künstler gut funktionierte.  So habe ich mich dann für diesen Weg entschieden.“

  1. Sie arbeiten mit unterschiedlichsten Medien. Neben der Spraydose, Leinwänden und Fassaden gehört auch Holz zu einem gewohnten Arbeitsmittel. Wie kommt es zu dieser Vielfalt?

Guido Zimmermann: „Ich brauche die Vielfalt. Wenn ich nur eine Schublade bedienen würde, wäre mir schnell langweilig. Es braucht zwar länger sich in mehreren Bereichen zu etablieren, aber man profitiert auch davon, wenn man stetig über den Tellerrand schaut.“

  1. In der Ausstellung „Alles Fassade“ im kreativen Baubüro in Jena haben Sie u.a. Ihre „Cuckoo Blocks“ gezeigt. Wie kam es zu der besonderen Idee? Greifen Sie damit den Trend rund um die „Platte“ auf oder hegen Sie eine besondere Verbindung zu Plattenbauten?

Guido Zimmermann: „Den Start machte ein Wandbild. Ich hatte das Thema Kuckucksuhr im Kopf und interpretierte die Plattenbau-Gegend, in der ich das Bild malte. Die Ghettokids von dort haben das Bild gefeiert und ich merkte, das ich mit diesem Motiv etwas bewege. So baute ich selbiges  dann als „Cuckoo Block“. Bei meinen Wandbildern nehme ich generell gerne Bezug auf die Gegend. Dass Plattenbau ein Trend ist/ wird, wusste ich damals nicht wirklich.“

  1. Ihre „Plattenbauten“ haben vielen Tieren ein neues Zuhause geschenkt. Was war Ihre Motivation hinter dem „Sozialmeisenbau“ und dem „Sozialbienenbau“? Sind Sie ein Tierfreund?

Guido Zimmermann: „Ja ich bin ein großer Tierfreund; als Kind hatte ich immer einen kleinen Zoo zu Hause. Wenn ich mit meiner Kunst auf ironische Art auf Probleme der Umwelt hinweise und sie unterstütze, finde ich das gut. Meine Motive haben viel mit Dynamik zu tun, wenn sie sogar mit Leben gefüllt werden, interessiert und begeistert mich das.“

  1. Neben den Kuckucksuhren haben Sie auch viele Arbeiten auf Leinwand, die vor allem ein Zusammenspiel von Mensch und Tier wiederspiegeln. Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen?

Guido Zimmermann: „Ich finde das Zusammenspiel von allen Elementen auf unserer Erde interessant. So kam es auch zu der Serie „Korrelation“. Angefangen mit den sich prügelnden Politikern im Parlament, die aus ihren Rahmen als Stellvertreter der Gesellschaft austreten und wie wilde Tiere übereinander  herfallen. Das habe ich dann erweitert mit dem Blick auf den Menschen, wie er versucht das Tier zu dominieren, zum Beispiel in Form von. Rodeo- Szenen. Die Dynamik und die Verknotung bzw. ungewöhnliche Komposition sind hierbei gestalterisch auch sehr interessant.“

 

Katrin Hitziggrad

Author Katrin Hitziggrad

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